Die Kopfbedeckungen

Zeig’ mir deinen Hut, und ich sage dir, wer du bist.“

Kopfbedeckungen besitzen eine symbolträchtige Geschichte, visualisierten sie doch bereits im Mittelalter in Europa den gesellschaftlichen Status: Hüte, Mützen, Hauben oder Kopftücher waren Teil einer speziellen Kleiderordnung und verwiesen optisch auf die Zugehörigkeit einer jeweiligen Gesellschaftsschicht. Bis heute ist die Kopfbedeckung nicht nur Schutz oder modisches Accessoire, sondern steht als Erkennungszeichen für eine bestimmte Berufsgruppe oder Religionszugehörigkeit (Feuerwehrhelm, Kochmütze, Mitra, Kippa…).

Die hier präsentierten, künstlerisch gestalteten Kopfbedeckungen spielen mit der Offensichtlichkeit der Zugehörigkeit und führen diese ad absurdum: „Ich bin nicht das, was du siehst.“ Es sind keine Zuordnungen zu einer bestimmten Berufsgruppe, Religion oder einem Status erkennbar. Es geht vielmehr um die individuelle Wahrnehmung des Trägers und auch des Betrachters, um die Befreiung von jeglicher Etikettierung.

01

ELKE HENNEN

Martin Buber, über „Judentum und Kultur“, 1951:
 „… Erkennen wir uns selber“. Wir sind die Hüter der Wurzeln. Wir sind es. Wie können wir es werden?
Wie werden wir, die wir sind?“
(Knochenartige Strukturen aus organischem Material, 2021)

 


02

GLORIA KELLER

Schamhüte

Ein Schamhut* dient dazu, seine Scham zu bedecken, denn…. „…viele deutsche Gojim tun sich unglaublich schwer, das Wort Jude auszusprechen. Aber Jude (und Jüdin) sind und waren immer Selbstbezeichnungen, und da muss der deutsche Goj mit seiner Scham und Schuld irgendwie selbst klarkommen. Am besten jeden Tag zu Hause vor dem Spiegel üben.“ (Latkes*Berlin)

*Schamhut ist ein männlicher hebräischer Vorname.


03

IRIS KAMLAH

Schillernd. Hölzern. Biegsam. Metallisch. Mich fasziniert das Spiel mit unterschiedlichen Materialien und ihren Eigenschaften, das in der künstlerischen Form der Kopfbedeckung Ausdruck findet. „Kopfüberwerden die Objekte zu optischen Repräsentanten eigener innerer Befindlichkeiten.

04

JUTTA HIERET

Ich bin ein Hut-Fan, ich habe schon viele davon! Mit den Collagen teste ich aus, was diverse Kopfbedeckungen für Gesichter bedeuten. Wie verändert sich ein Mensch, sein Ausdruck, sein gesellschaftlicher Status, wenn sich seine äußere Erscheinung ändert? Wodurch wird ein Mensch wahrgenommen, wodurch als Individuum oder als einer Gruppe zugehörig erkennbar?


05

VEROK GNOS

Eine Kopfbedeckung ist ein Ausdruck individueller Freiheit. Sie ermöglicht es, sich zu behaupten, sich abzugrenzen, sich zu schützen, eine Beziehung zu anderen aufzubauen oder sich sozial zu distanzieren.